Deine Frau hat mich gebissen


( ein Gedicht)

hör zu
es war kurz vor drei
ich durfte noch einmal an die drehscheibe
aber deine frau
du weißt ich liebe sie
sie sagte nein
du warst schon dreimal
wer dreimal war
der darf nicht mehr
ich sagte
aber es ist noch keine drei und
es steht niemand an
sie aber bedeckte ihren mund
mit irgendeinem schutz und
sagte
nichts da
geh nach hause und
knabbere erdnüsse
hör platten
alte platten
platten die so alt sind wie du
ich ging nach hause
ich hörte platten
aber die platten waren nicht alt
es waren auch keine platten
es waren vergessene briefe
ich hörte sie
sie sangen ohne dass ich sie verstand
von liebe und von dem großen roman
vom reichtum der hände und von
einem gedicht ohne ende
ohne ende und ohne schluss
ohne schluss und ohne
mundschutzkuss

Romeo und Julia

schau mal

romeo auf der suche

mal was anderes

sie hält sich wohl versteckt

ist so ein tick weißt du

oder alte rechnungen

die nicht mehr beglichen werden können

wie schön sie ist oder

julia

blickt sich um

fliegt davon

ihre augen

sammeln wir sie auf und geben sie den lebenskünstlern wieder

schau mal

romeo hat sich alles zurechtgelegt

er ist ein guter junge

er sammelt sterne für sie

er erträgt es nicht

einmal nichts zu tun für sie

oh romeo, sagt julia

mein alter freund

du machst mich immer noch verlegen

die spuren die du hinterlässt

wie alte wegweiser

die immer noch zu nichts führen

außer zu den kalten orten

die friedhöfe können davon ein lied singen

tun sie auch

das tun sie doch auch oder?

wir lauschen unseren alten zeilen

alles verstaubt

alles sichtbar und so originell ist unsere liebe auch wieder nicht

aber schau nur

wir strecken die fühler nach uns aus

selbst wenn wir schweigen

tun wir das noch

Sie spricht mit ihrem Mundschutz

es ist nacht geworden

so sehr nacht

die katzen spielen berlin

die hunde saarbrücken

jemand der sehr gut sieht

sieht sie leise an

es ist nacht geworden

nachts pflanzen sie träume auf ihre stirn

sie will hinaus

sie will das fenster öffnen

sie legt den mundschutz auf die fensterbank

jetzt flieg

jetzt flieg durch die nacht und

erzähl mir von wien

erzähl mir von paris

trommle die augen zusammen und

erklär mir bosnien

erklär mir schönheit

erklär mir liebe

mundschutz liebes

erklär mir bosnien

Elke erzählt

ich traf einen mann
viel zu dick für ein leben
viel zu dick für ein wort
geschrieben auf ein blatt papier
ich schrieb
wollen wir uns treffen
vielleicht wars ein feiertag für ihn
er erzählte viel
schon vorher
ich malte es mir aus
er mit einer schirmmütze und regenschirm
rostige flecken auf der nase
die reizen
die reizen ihn das ganze jahr


warum triffst du dich mit mir
ich habe ja nicht mal haare auf den zähnen
er versteht das nicht und deshalb sage ich
ich tu es aus mitleid

vielleicht hat er bald geburtstag

oder ich denk mir eine schöne landschaft
irgendwo das gebirge
vielleicht sitzt dort ein wurm und fragt nicht
warum trifft sich die welt mit mir


er fragt:
und jetzt?
wir haben kaum gesprochen
trinken kaffee
die bedienung blickt auf die uhr
der mann ist nicht nur dick
er weiß auch nichts mit sich anzufangen
ich auch nicht
das gefällt mir an ihm
dass er das leben nicht begreift
keinen sinn darin sieht

vielleicht sprechen wir gar nicht miteinander
sage ich und spreche tatsächlich nicht

er fragt nun ständig nach dem sinn
ich wohne im siebten stock
er würde mich sieben stockwerke nach dem sinn fragen

also doch wieder nur die schönen die zurückbleiben
weil sie immer glauben die zukunft strahle sie an
schöne menschen lassen sich leicht blenden
weil sie von den anderen geblendet werden

wir könnten uns zahlen ausdenken
oder uns ausmalen wir säßen in regenklamotten im bett
das gegenteil von geschlechtsverkehr ist stossverkehr
sagt julia und lacht sich halbtot dabei
ihre schritte sind manchmal noch sehr weit zu hören
sie hat immer eine mensch ärgere dich nicht figur in
der jackentasche
und wenn man sie fragt
warum
gibt sie keine antwort


der dicke mann geht
ich schaue ihm nach
und frage
warum er nicht bleibt bis der text zu ende ist
also rufe ich
: es dauert doch nicht mehr lange
er kommt zurück
sagt
: ich habe angst alles zu verderben
ich grinse ihn an: hast du doch schon und du hast es nicht mal bemerkt

Elke springt aus dem Roman

heute schreibe ich dir

morgen rede ich mit meinem anwalt

über dich

wir sind uns einig

du hältst den abstand nicht ein

er hat nachgemessen und gestern

schrieb eine auf

da war eine umarmung

mitten in der stadt und das

war bestimmt keine schwesternliebe

das war deine schuld

du hättest den regenschirm einen namen geben sollen

du hättest dem wind sporen geben müssen und

nun hältst du den alten abstand ein und

suchst mich

vergebens hinter dir

der tag an dem bukowski in giessen nichts zu trinken fand

es war wirklich kein guter tag

ich erinnere mich

ich machte meiner cousine keinen

heiratsantrag

die metzger verkauften bier

zum halben preis

die supermärkte wurden

umgestaltet

die nächte lagen am tag hinter

den zäunen und vögelten

miteinander

stunden ohne scherze

stunden ohne ausblick auf verluste

bukowski war mit der fünf gefahren

am marktplatz stieg er aus

er wollte den christian besuchen

zwei flachmänner hatte er dabei

die sonne stich ihm die mücken ins gesicht

er kam an einer lostrommel vorbei

er kaufte zwanzig

weil er aber nur für zehn

geld hatte

gab er dem losverkäufer

die flachmänner

dann fuhr er zurück

mit dem festen beschluss

nie wieder nach gießen zu fahren

Chi

ich dachte

du musst eine von den

anderen sein

eine die

nichts vergessen kann

der lärm der zeit

der ganze mist

die ganzen strecken

das alte sich erinnern

an die zukunft

an die

die es besser wissen

besser wird es nicht mehr

sie hätten es wissen müssen

chi

ein zu großes problem

es war nicht mehr möglich

nicht einmal mit Brille

sie hätten es sich sagen sollen

aber dann bemerkte er

Es gibt kein Salz mehr

niemand hat es gekauft

Der Boden wurde nicht mehr gereinigt

Sie schauten aus dem Fenster

Sie lachten, als die Ampel grün wurde

sie sprachen nicht mehr viel

sie dachten oft an die Zeit

damals brannten sie noch schnaps

Der Teppich war frisch gelegt

Sie schauten aus dem Fenster

romantische Gespräche über die Sterne

aber dann kauften sie diesen Tisch

er oder sie hatte es sofort gesagt

lass es uns nicht zulassen

er wird uns verzehren

er ist nicht gut

aber jeder, der ihn sah, war gut zu ihm

schrie

Der Tisch; Endlich hast du einen Tisch

Sogar die Stühle brachen unter der Stille der beiden

Es war ein Stöhnen, in dem die Trockenheit jetzt rosa Windmühlen malt

Manchmal schaut ein gelber Hund aus diesen Windmühlen

Sie wissen nicht, was er will und Sie wollen ihn nicht einmal fragen

Nachtwind

Die Türen verschwinden

Das Licht wächst in den Händen der Dunkelheit

wie deine Augen es auffangen

um die Klänge besser zu sehen

das Gefühl

als ob du nach dem Mond greifen wolltest

wer verliert Luft

die kurze Strecke

das ist genug

darauf verzichten

dich zu berühren

als der Flügel den eigenen Flug schlug

wer träumt immer noch davon, morgen weg zu sein

Die bellenden Sterne suchen immer danach

was nicht da ist

zwei Orte ohne Ruinen

zwei Leute, die sich alles erzählen können

das verschwinden der nacht

der junge mit der durchlöcherten jacke

läuft über einen gang

das fenster ist vom atem geöffnet

er umrahmt das fenster mit einer geste

er muss hinaus

irgendwo sitzt eine

die vergessen wird

der junge läuft über einen gang

ein fenster öffnet sich

er atmet

der junge kann sich das leben nicht vorstellen

er denkt

das leben ist ein gezeichnetes blatt papier

er läuft über den gang

er atmet während er das fenster öffnet

während sie wartet

und nicht weiß

dass sie auf das ende wartet

der junge umkreist die abwesende

er denkt er muss sich fallen lassen

um nicht zu verbrennen

er rennt über den gang und verschwindet

er verschwindet in das geöffnete fenster

sie sitzt in der nähe seines schreies und

fängt ihn auf

sie sitzt schweigend hinter seinem schrei

er atmet nicht mehr

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