Elke erzählt

kein regen der spuren in uns hinterliess
nur ein paar tropfen die aus einem gequälten himmel flogen
senkten sich
nahmen uns ab dass wir sie ernstnahmen
wussten auch, dass wir sie wieder vergessen würden

die sterne rutschten zu uns
die Planeten erinnerten uns an feste
feste die vergessen wurden am nächsten morgen

da kam das erwachen
es war lautlos
das brennen der grünen hunde
das vergessen der alten soldaten

haben wir pläne fragte ich ihn
er, ganz kurzsichtig
vielleicht nur auf ein abenteuer aus
sagte
aber nein, wir bleiben zusammen…

aber natürlich blieben wir nicht zusammen..
wie sollten wir zusammenbleiben
da die nacht nicht ausreichte mit der wir uns herumschlugen
die uns sichtbar machte
die machte dass unsere bewegungen mir vorkamen
als hätte ich sie schon tausendmal gesehen

ein lyrischer porno, sagte er
er drehte die augen weg wie eine kamera
die schon lange nicht mehr funktionierte
was, fragte ich
ich möchte einen lyrischen porno drehen
einen in dem niemand vorkommt
in dem bloß eine spur auf das spurlose trifft

und wo
fragte ich
ist der porno

der porno bildet sich in deinem kopf
er begreift die geschlechtsteile als einen teil von dir
er sinkt herab
es wird ihm schwindlig

du solltest darüber noch mal nachdenken, sagte ich und
war weg
wie sollte ich nicht weg sein
da ich ja die augen öffnete und niemand da war

im radio sang marie
listen to you heart und ich hätte sie gerne umarmt

Weisheiten

in der stadt lebte ein hund der
unbedingt fotograf werden wollte
natürlich sagten seine eltern
das ist Blödsinn, schlag dir das aus dem kopf
wir können dich nach china auf die hochschule bringen
aber das ist teuer
das können wir uns nicht leisten
dem hund aber war das egal
er wollte fotograf werden
und wenn ich kein fotograf werde
sagte er
dann gehe ich zu den kaninchen
und halte aufrührerische reden
die kaninchen konnten seine ankunft
kaum erwarten
der wind blies seine worte in ihre
zarte ohren
sie besprühten ihre zungen mit leeren stellen
so konnten sie ihn besser verstehen
aber er kam nicht
dieser feigling kam nicht
die kaninchen hatten sich so gut vorbereitet
aber er kam nicht

Gemeinsamkeiten

: dies ist ein bahnhof
: ich muss ihnen sagen, sie haben recht.
: gleich kommt der zug
: der zug wird eintreffen.
: ihre tante steigt aus.
: meine tante steigt aus, mit einer stange brot.
: immer steigt ihre tante mit einer stange brot aus.
: meine tante kann nicht anders, sie muss aussteigen.
: mit einer kanne brot.
: richtig , mit einer kanne brot steigt meine tante brot aus
: ihre tante brot ist eine feine dame, das erkennt man an der art wie sie ihre gitarre hält
: ja meine tante hat immer die gitarre dabei mit der geht sie wandern.
: von ort zu ort
: überall gerne gesehen
: sie ist beliebt
: man schenkt ihr pudding
: schokoladenpudding

: ihre tante
: noch nicht
: wir haben die giraffen vergessen
: liegende giraffen sind nicht erlaubt
: dass sie sich auch immer hinlegen müssen
: es sind aber sonst durch und durch brave tiere
: wenn sie nicht immer das verlangen hätten
: ja das verlangen macht alles kaputt
: man sagt ein dichter verdient erst geld wenn er tot ist
: das ist logisch und weitsichtig
: das ist es
: wann der zug wohl kommt, ich warte ja schon.
: ja ich warte auch.
: die warterei macht einen krank
: man hat das gefühl des wartens jetzt.
: man entdeckt es und vergißt es wieder.
: gleich wird es regnen, ich meine in budapest.
: budapest ist schön, ich war noch nie da.
: es gibt dort blumen und blutende hunde
: kinder die das wort streupulver kennen
: es gibt dort knobbelbecher
: aus denen wird getrunken
: sie sprechen von dänen?
: schon bismarck sagte: glauben sie dänen nicht.
: wie witzig sie mir heute wieder vorkommen.
: es war so kalt als wir vor der roten ampel standen.
: ich glaubte schon man hätte uns vergessen.
Tante: Der zug ist noch nicht da, aber ich bin schon eingetroffen

Max: wir sind stolz auf dich.
Moritz: unsere worte bekommen plötzlich einen sinn, alles sticht hervor, man hat das gefühl, als müsste man wen begleiten.
Max: die ganze nacht sind tauben von den dächern gefallen, aber mitten im flug haben sie es bemerkt und sie fielen wieder zurück
Moritz:  wie schafft man es bloß zu atmen.
Tante: oft stelle ich mir vor, ich wache auf und stehe vor einer ampel
Moritz: aber tante
Max: tante wir sehen dich
Tante: von was reden sie?
Max: ich? von nichts.

Moritz: über was wird geredet?
Max: die bahngleise müssen verschwinden das ist alles.

Tante: das haben sie gut gesagt
Max: dann schreiben sie es gefälligst auf

Für T

 

ich dachte schon wir würden uns nie begegnen
ich schaute auf die uhr
ich musste noch streusalz kaufen

ich dachte schon wir würden uns nie begegnen
immer wenn ich dich sah
und dich grüßte dachte ich
ich muss noch streusalz kaufen

selbst die jungs in england denken an dich
im abendanzug sitzen sie da und hören plötzlich auf englisch zu reden und wenn man sie fragt
warum hörst du auf englisch zu reden
machen sie ein ganz komisches gesicht und denken:
ich muss noch streusalz kaufen

heute Vitória Guimaraes

und immer lagen wir uns
in den armen
in guten und noch besseren tagen
und immer sagten wir
das liegt daran
dass wir in der nacht
alles vergessen
und immer lachen wir
weil es nicht stimmt
wir erinnern uns an die ersten und
zweiten hälften
wir erinnern uns das jemand einen
kuchen mit zum spiel nahm und desto länger
es nullzunull für die anderen stand
desto hungriger wurden wir
den kuchen aber hat er dann doch alleine gegessen
weil er nicht schmeckt, sagte er
und immer glaubten wir ihn und
warfen ihn trotzdem in die wieseck
und immer riefen wir ihm zu
samstag sehen wir uns wieder
aufm platz und immer zog er sich aus der wieseck und sagte
klar, samstag wie immernietzsche3

Eine wahre Geschichte

 

ich ging wie ein tropf durch die alleen
es war mir, als könnte man mit kugelschreibern heimwärtsziehn
fahnen und groll wo man auch hinsah
dichte räume in die man einkehrte
bier bestellte bei luilly der wirtin
sie sah aus wie janis joplin ausgesehen hätte
wenn sie noch leben würde
in der nähe eine bank, hinter der bank ein apfelbaum
eine grenze der notwendigkeit
ein indianer bläst das netz von ideen aus
viele sagen
man mag sie nicht wegen der augen
ich will davon nichts hören
auch nichts von dem massaker an dem man
viel blut auf den boden warf
dunkel ist es mir und mich dünkt
dass mich alles nur quälend zurücklässt
als könnte man sich nicht einfach einen bart wachsen lassen und
ideen haben
in irgendeiner strasse lauern sie einem homosexuellen auf
sie werde ihn zeichnen…
auch das ist kunst
man muss die banalen dinge darstellen
nichts ist schlimm und ernsthaft
ich glaube den tränen der außerirdischen nicht
wenn ihre augen alleine sterben
wird der rest vor lachen ermüden
stattdessen sitze ich schweigend am fluss
was ist hier nicht alles geschehen
während die winde alles wegblasen
das gedächtnis von zeit zu zeit still ist
mutet mich alles nur an
als könnte ich irgendwohin laufen
dort wo kein indianer mehr ist
oh indianer
was für ein egoismus
alleine wollten sie sein
alles für sich behalten
warum
wo doch die erde rund ist und jeder der
einen totschläger hat
schnell lernt in massen zu töten und hinterher
suchen wir erst gar nicht nach entschuldigungen
wir grasen die narben ab
wir suchen irgendeinen ort und den nennen wir solange
bis unsere sache gerecht ist und ich mich niederlegen kann und preise auf mich
lauern
die ich alle annehme, wie brot dass man auch nicht aus den augen verliert
nur weil es verdorben schmeckt

eine wahre geschichte

wenn ich schreibe sagte paul
bin ich eine frau
ich heisse paulina
ich lächelte ihn an
wie soll man nicht lachen
auch war ich dabei meine fussballschuhe anzuziehen
ich sagte
das ist interessant, aber ich fand es nicht interessant

ich ging fussball spielen und lachte im geheimen über paul
paul war lächerlich
dickster, der glaubte echt er sei dichter oder so, dabei
hatte er hauptschule
genau wie ich

nach dem fussball ging ich nach hause
ich sah eine frau auf einer bank sitzen
sie schrieb etwas
wahrscheinlich tagebuch, dachte ich
ich finde es lächlerlich, dickster prommel,
wenn die mädchen tagebuch führen
meistens schreiben sie da rein
in wen sie grad verknallt sind und zeichnen den
die meisten mädchen konnten schlecht zeichnen
deshalb sahen die jungs alle aus wie ich und
ich dachte immer
die sind in mich verknallt und ich fand das
irgendwie gut
auch diese frau war sicher in mich verknallt,
wenn ich auch nichts gezeichnetes sehen konnte
so wie bei den anderen mädchen auch, dickster,
auch die anderen zeichneten nie, ich hatte mir
das immer nur eingebildet und es tat gut sich
das einzubilden, sich das wieder auszubilden war
dagegen ein schwerer verlust und machte mich
einsam, einsam wie eine socke, die den weg zur waschmaschine nur knapp verpasste

hab dich hier noch nicht gesehen, sagte ich ihr und
stellte mir vor wie meine finger über ihre lippen kreisen
kreisen wie major tom im weltall um ihre lippen und
wie major tom würde ich den kontakt zur bodenstation verlieren
grüßt meine frau, ruft major tom und sagt ihr, dass ich sie
nie vergessen werde
ich dich schon, sagte sie….
sie machte mich neugierig, das war ein cooler satz, deshalb
sagte ich
du machst mich neugierig…
ist klar, sagte sie, besuch mich doch mal…
sie sagte mir wo sie wohnte
aber sie schien sich geirrt zu haben
denn dort wo sie wohnte, wohnte doch paul
paul war mein kumpel
er hatte zwar einen an der waffel
aber er war mein kumpel
sein vater war general beim bundesamt für feuerwaffen
aber Paul war pazifist, allerdings nur
weil pazifist mit p wie paul anfing
wie heisst du fragte ich sie