Georg Blau

 

georg blau war selbstlos
er sammelte tränen
legte sich auf die schienen
draußen im stillen dorf
hielt er große reden
worum es ging
um hänsel und gretel
um die wahrheit
er sagte
sie waren nicht arm
ihnen gehörte der ganze welt
dass mit der hexe war eine lüge
es existierte kein haus im wald
die hexe bildete sich alles nur ein
sie war größenwahnsinnig
sie trug uniform und trank bier
aus den nächten strickte sie
soldaten und schickte sie zu den abwesenden
hänsel und gretel waren darin verstrickt
georg blau atmete
er atmete diese worte ein
er wollte nichts zu tun haben mit diesen worten
er streckte sich nach ein paar salzstangen, um sie zu vernichten
er legte sich zum schlafen immer neben der
alten platte
olvia newton john sang von Xanadu
er sang mit
er fragte sich
wo wohnt frau john und was macht sie
wenn sie von der platte springt
sitzt sie an einem brunnen und trägt
ein kleid dass aussieht
als könnte man es sehen
wohin gehen die worte
was tun hänsel und gretel mit all den gesprächen
sie tragen viel finsternis in sich, denkt herr blau
vergräbt seine mütze
einfach so
ohne dass er es bemerkt

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was bleibt

was bleibt?

der gedanke, totes Brot zu sagen

es zu sagen und zu wissen

es wurde nicht gesagt

es wurde gegessen

sei nicht traurig, sagte meine mutter

wenn sie traurig war

die sätze in den schritten

die hüte vergessen dass sie nur ausgeliehen sind

eine glaszerbrochene türe

schade dass man sich erinnert

null

 
er wusste nichts darauf zu antworten
als man ihn fragen wollte
was er so tue
aber man fragte nicht

er saß auf einem bach
er saß mitten drauf
er war nicht jesus
auf keinen fall
wenn er dennoch jesus gewesen wäre
dann hätte man sagen können
er hat stark abgebaut

manchmal stellte er sich etwas vor
aber während er es sich vorstellte
verschwand es wieder

es war sinnlos weiter über ihn zu schreiben
machen wir also schluß und gingen eine suppe essen

zu da

(für Inger Christensen)
ein schatten der sich in ihre worte wirft
die langen pausen
das wort geschrieben durch andere wörter
von den haltestellen
von den haltestellen und noch einmal
vor den haltestellen
dunkles gras
pronto
dunkles glas dass sich weiß färbt
wir dürfen den schneeplatz nicht räumen
wir müssen warten
wir müssen in den pausen suchen
wir müssen
wir müssen gähnen
ein schatten wirft sich in ihre worte und
eilt davon

lisa und ihr briefträger oder der versuch eines scherzes

 
lisa liebte ihren briefträger
sie wollte unbedingt drei kinder von ihm haben
sie hatte sogar schon namen für sie erfunden
und aschenbecher aufgestellt falls sie später einmal rauchten
der kühlschrank ist eingeteil in fünf fächer
der briefträger bekommt sein fach gleich nach ihr
vielleicht wird er böse sein weil er lieber das erste fach hätte
aber darüber wird sie mit ihm nicht streiten
sie wird ihm einfach streicheln und dann reden sie über das
vierte kind und dann ist das vierte kind da und das bekommt
einen extra kühlschrank
das finden alle unfair
aber was soll man machen
das vierte kind konnte ja nichts dafür
und trotzdem sehen es alle an wie etwas dass man sehr persönlich nehmen kann
soll man den amerikanischen präsidenten an die türkei ausliefern
fragt das vierte kind und geht zum kühlschrank um sich einen schnaps
zu holen
bring mir auch einen mit bittet der briefträger
lisa aber sagt
natürlich muss man das tun..wenn er was angestellt hat

sie und er

am anfang war nichts und
weil nichts da war
blieb nichts übrig
es gab keine reste
nichts was man gebrauchen konnte
ja
es gab nicht mal eine kaiserkrönung oder
ein aberkanntes tor
auch von revolutionen redete keiner
es redete überhaupt keiner
keiner kannte ich
ich ging mit ihm in eine klasse
er wohnte im neubauviertel
alle waren neidisch auf ihn
alle leckten die zunge nach den
neusten wasserhähnen
aber keiner sagte
das nutzt alles nichts
denn es gibt keine spiegel und
wenn du irgendwo hinblickst
erkennst du nichts
nichts außer petra
petra stand gerne herum
sie war damals
immer war sie damals
wenn man mit ihr sprach oder
sich an sie erinnerte
sie war immer damals
aber sie liebte
sie liebte die nacht
es war einfach so dass sie ein poster von rod stewart
an der wand hängen ließ
einer ihrer vorfahren war fan
aber sie nicht
sie liebte david bowie
vorallem wenn er wie
david gilmour aussah
er sah aber nie wie david gilmour aus und
trotzdem liebte sie ihn
keiner verstand ihn
er verstand bowie und er verstand auch
dass er nicht wie gilmour aussah
aber er verstand den neuen wasserhahn nicht
er verstand dass es etwas darin gab
dass älter war als alles
aber was es war
das wusste er nicht

lebenslauf

 

er war sieben da wollte er soldat werden
die verwandten lächelten
einige bluteten dabei
der schnaps war gut
die not war es auch
in die brote goß man die lüge
in die nächte die zeit
wer vergessen konnte ging kopflos weiter
ohne zu denken, dachte er später
da war er schon älter
da ging es mit dem treppensteigen
schon nicht mehr
da verloren selbst die schornsteine ihren sinn
er war soldat
er ging mit der fahne
er blutete für sie aus der nase
der arzt behauptete
das käme vom bohren
aber er war zu stolz auf das blut
um das zu glauben
man muss etwas mit schnaps tun
man muss ihn verschenken
er schenkte ihm den schlund
er lachte vergesslich
er stellte sich vor
er wäre unbekannt und man würde ihm ein denkmal setzen
eines dass man mit der zeit vergisst
denkmäler sind ruhepausen für die
die waffenstillstände
immer für einen irrtum halten
damals war er sieben
heute ist er es wieder
das leben fängt mit dem tod an
der tod vergräbt das leben nicht
er erinnert sich nur nicht mehr daran