vogelsand

du drehst die finger

rum

 

du trinkst dosenbier

aus der flasche

 

denkst du auch oder

hast du es vergessen

 

gestern war ich bei den neulichs

sie fragten ob du den nebel immer noch so gerne magst

 

du drehst die finger

um

trink nicht so viel

das ist zu teuer

 

wohin gehst du wenn das gedicht

zu ende ist

irgendwann ist jedes gedicht zu ende

wer weiß dass besser als ich

 

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komm, wir überwachen uns

was ist uns

uns das ist das meer

das ist das salz

das ist die erde

wem gehört die erde

uns

komm wir gehen

wohin

wohin…du weißt wohin

du doch auch

wir

wir

wir

es waren zwei herren die waren unterwegs

der eine

ich dachte gerade an deine frau

der andere

ich dachte an deine, deine ist lieb, ich mag sie, ich

mag es besonders wenn sie auf einer bank sitzt und

etwas lustiges sagt, sie sagt so gerne lustiges, einmal

nachdem wir erwachten rief sie

so einen Mähdrescher müsste man haben und komisch

wie sie mich ansah

als hätte ich kein gesicht

als wäre ich nur ein gedicht

ein gedicht dass untergehen, das vergessen wird

von Millionen menschen wird es nicht gelesen werden

faszinierend

ich erhebe mich

bedanke mich und

vergrab mich in der nacht dort

wo niemand vergessen werden kann

der falsche zug

 

es war diese party
sie hatte sie ohne grund betreten
sie wollte ein paar magenbitter trinken
in eine zitrone beissen

es war ein ranziger tag gewesen
den ganzen tag untergrund
den ganzen tag klagen über die nacht
die kommen wird

sie lachte
weil sie vergaß
zu schreien

sie zog diesen pullover über ihr gesicht
der bauchtanz vom letzten untergrundfest
tiefergelegte absätze

was war das beste
dass sie an tintenfedern roch und
das leben der schwäne begriff
dass sie den hut zog vor dem mann am klavier

dass sie ihm den rücken frei hielt
sie von alten filmen sprachen
hände in geheimer mission

den magenbitter auf der zunge
zeilen aus gras
eine hand die berührte

augen ohne gewicht

elke erzählt

der horst sagte
er sei mit mir verheiratet
er roch an mir wie an birnenhaut
er sagte
ich möchte ein kind
das wird deine zweifel zur seite schieben
wir warteten
die bahnhöfe die wir nicht erreichten
strichen wir durch
er zog eine lange haarnadel aus seinem gesicht
willst du, fragte er
ich gab ihm eine ohrfeige
die so schallend war
dass das parlament davon erwachte
schnell zog man sich an und beriet über lästige fragen
man erinnerte sich
dass man sie auch ablehnen könnte
ich kaute an einem brötchen
nahm seine schmutzigen handschuhe in die hand
warf sie in die luft
das gab mir unwahrscheinlich viel
manchmal sehnte ich mich nach den alten tagen
erinnerte mich an das leidliche vergraben der
erinnerungen
dachte an mähdrescher die meinen namen tragen
könnten
ich möchte ein kind von dir sagte ich zu horst und
sah in die richtung der mähdrescher

de grün

da lag er
nachts
noch lange
wach
im traum
stand er
im flur
gebückte haltung
floh
in das nächste teesieb
wollte mehr
bekam
nur dass
was blieb
wenn nichts mehr blieb
lag weit auseinander
die welt verlangte brot
aber er verteilte den hunger
ganz gerecht
da stand er
wollwissend
dass man sich setzen konnte
setzte sich
sah sich an
lachte
trank einen hustentee und sang
das alte klagende lied
von der verschwindenden welt

Mein Kumpel Rezo

er war in der schule der beste

aber er hatte die schlechtesten noten

die Mädchen liebten es

wenn er ihnen ein märchen auf die Handfläche legte

er tat es selten

nur einmal

bei marie und die lachte

weil sie so nachdenklich wurde wenn jemand sie berührte

schlug sie rezo einen jackentausch vor

heuer sind beide zum vierzigsten mal verheiratet

sie schläft auf der linken seite und er irgendwo dort

wo das meer einmal war

irgendeine Zärtlichkeit berührte sie

das war schön und das war die geschichte von rezo und marie

aber hieß er überhaupt rezo

ich glaube gar er hieß Heinz und verkauft heute körner

körner die so klein sind

dass man sie beinah für Phrasen halten könnte

elke erzählt

ich hatte im bus einen soldaten kennengelernt
er sagte
dass er das liebe
wenn sie im radio von ihm reden
im radio redeten sie ständig von ihm
es gab keinen ort an dem sie nicht von ihm reden
schau nur, sagte er und zeigte auf einen schiessbefehl
der ist wichtig
wenn du den hast kann dir nichts mehr passieren
er zeigte auf die pausen in seinen schritten
er legte seinen mund in den abgrund
er sah nicht gesund aus
bestimmt hatte ihm die krankenkasse gekündigt
ich sah eine geste in seinem schlaf
er wusste
es war seine nacht
ich rutschte zur seite und fragte die stunden nach der zeit
ich war unfähig an ihn zu denken
denn alles ging so schnell
gerade so
als warte ich auf etwas
auf etwas dass mich erkennt
das mir sagt wer ich bin
der schiessbefehl lag in der luft
wir sahen ihn an
er sagte etwas
es war nicht sicher ob es worte waren
es konnten auch wunden sein
wunden die nach einem ausdruck suchten
wir werden gehen, sagte er
es war sicher dass er nicht uns meinte
wir werden gehen und lauschen
wir werden lauschen und vergessen
wir werden in die stimmen der toten eindringen und
jeden zählen den wir vergessen werden
in unserem radio sagen sie niemals die namen derjenigen die wir treffen
in unserem radio lachen sie nach solchen meldungen über irgendeinen spass