für barbara

 
sprengt die ketten
befreit sie von den augen
atmet die luft ein, die frei ist und ungestüm

geht in die nacht
durchtrennt eure schatten
eure schatten laufen barfüßig
taumelnd hinter euch her

sucht was ihr sucht
vergesst was vergessen werden kann
die strassen haben nasen
die hören was die ohren sprechen

da glitzert etwas
das heisst vergangenheit
da gab es besetzte häuser in gießen
in einem wohnte ein klavier

das klavier hatte tränen in den tasten
als man es verlassen wollte
das klavier wollte niemals verlassen werden

da gibt es eine
die las gedichte eines herrren aus gießen
in gießen geschieht das nicht oft

in giessen wird gehungert was
klaviere angeht
in gießen erwachen die klaviere und fragen
und wo
wo ist die barbara

Werbeanzeigen

sonntag gegen de schwabe

guten tag,

ich bin die nicole

ich bin ein bißchen auf der suche

früher hatte ich blaue augen

die habe ich mir abgeschminkt

heuer sitz ich oft vor leeren käfigen

ich suche einen banausen

einer der nichts weiß und auch nicht

regierungsfähig ist

er darf gerne von den sandkästen erzählen und

dass er einmal beinah in berlin geblieben wäre

ich werde, bevor er das tut, ohnedies nicht mehr da sein

denn heut abend spielen sie wieder und ich kann

nicht lange bleiben

neunzig Minuten gesang

neunzig Minuten das gefühl

ihn zu vergessen, ihn der beinah mal

in berlin war, kurz bevor ich gegangen bin

 

Scan_20190327 (2) (1)

Elke erzählt

 

der arzt hatte ihm gesagt, er darf keine gedichte mehr schreiben
wegen dem herz und auch wegen der region
er fragte ihn
darf ich denn ein gedicht denken
aber auch das wollte der arzt nicht gelten lassen
hören sie auf damit…
er saß mit einer flasche sangria auf einer der bänke die
niemals bessere zeiten gesehen haben
die wolken, na ja, was machten die schon
die bumsten mit jedem den sie kriegen konnten und ich saß
neben ihm und sagte
dann dürfen wir auch nicht mehr miteinander schlafen und
er nickte und trank einen schluck und sagte
mein vater hatte recht als er sagte
wir sind eine generation von schrotthändlern, wir begreifen es bloß nicht..
ich habe nichts gegen schrotthändler sagte ich…
er nickte, er prallte gegen die wolken
das war beinah ein gedicht
du musst aufpassen, sagte ich…..

wunder

gestern war schön

den ganzen tag müde

den ganzen tag roch es im raum nach leitungswasser

ich kam nicht aus dem bett

im traum war ich packer und

bürgermeister

im traum rettete ich die ganze Stadt vor mir

denn ich hatte großes vor

in der mitte der Stadt traf ich mit ute

zusammen

ute arbeitete im cafe und ich lag im bett

es roch nach Schnee und alten pausen

es roch nach nichts

ich sagte ute

dein gesicht, das haben andere schon getragen

sie nahm es als Kompliment und ließ es fallen

geräuschlos erwachte ich

ich war die naht zwischen den spitzen

ich fragte mich, während ich schlief

was wenn ich wach bin und teil einer nicht mehr zu

reparierenden Generation angehöre

ich trug einen bart

mit dem sammelte ich kleingeld

das Kleingeld wurde teil des bartes und löste sich schließlich auf

genauso wie ich

Gestern um viertel nach Sieben

kaufte ich mir eine trompete

es war wirklich sehr laut

gestern um kurz nach sechs

begannen sie zu würfeln

ich wusste, es ging um alles

sie waren wirklich sehr laut

gestern um kurz nach sechs

gestern um viertel vor sieben

kaufte ich mir diese trompete

ich lief lachend nach hause

ich öffnete leise das zimmer

zog die vorhänge zur seite

und warf die trompete nach draußen

gestern um viertel nach sieben

was kann man sagen, man sagt besser nichts , wer nichts sagt ist dem gesagten gewachsen, gewachsen wie alles was in der ferne erkannt wird, von jener blindheit die uns sehend macht, aufgeblüht der gedanke, gleich morgen höre ich auf und dann beginnt es, es beginnt immer mit dem ende. ich schreibe etwas, es weiß nicht genau wohin, wohin damit, das schreiben steht auf, steht auf und sitzt, sitzt und schreibt, schreibt und schweigt, schweigt als hätte man alles gesagte bereits ausgespuckt oder fallengelassen