Gedichte gegen Rechts

gestern traf ich schmidt

er erzählte nicht viel

er trank lieber einen

aber er hatte wie immer keinen flaschenöffner

was würdest du nur ohne mich machen, sagte ich in einem hoffnungslosen ton

ich hatte ja auch durst

aber es reichte nie

 

weißt du sagte er, weißt du was mit den Frauen los ist

was ist nur mit den Frauen los, fragte er

er sah zu einer kurzhaarigen die er gerne angesprochen hätte

aber er traute sich nicht, denn er hatte gute gründe sie nicht anzusprechen

er redete nämlich immer nur Unsinn wenn er mit Frauen sprach

 

wir sind Profis was, sagte er, er sah in einen glasbehälter

ich war mir nicht sicher, ob er gerne darin verschwunden wäre

wir müssen was tun, rief er plötzlich

da tauchte der mut auf

er hatte das Bier geleert und war bereit noch eins zu trinken

die rechten trinken uns das ganze Bier weg, sprach er in einem salmonischen überton

 

ja  dachte ich und du rechte socke

was ist mit dir

immer gäbe ich dir den flaschenöffner

aber nie dankst du es mir

 

es war mein abend, denn Tina hatte ihn gerettet

sie trug französische gedichte vor

eins war von baudelaire

ich verstand kein wort und trotzdem spürte ich

dass es von baudelaire war

vielleicht lag es auch daran das baudelaire der einzige franzose war

dessen namen ich mir merken konnte

 

 

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der grünling

 

der grünling wusste nicht
ob er was tun sollte
was sollte er nur tun
warum fuhr er nicht mit dem rad von herrn schmidt
herr schmidt hatte so viel räder
da kam es auf das ein oder andere nicht an
worauf bereitete sich grünling vor
die tabletten gegen die sehnsucht waren ihm nicht gewachsen
wer rudert mit, fragte marie im mai letzten jahres
er hielt die dünnsten scheiben einer wurst in den händen und er hätte sie sicher
fallengelassen
wenn marie nicht plötzlich so nah gekommen wäre, dass sie den zorn spüren konnte
den zorn der scheibenwurst
hast du angst, fragte sie
sie hatten den bahnhof erreicht und jemand
der schon immer zu den soldaten gehen wollte
stand vor seinem eigenen grab und war nicht einmal traurig
ich lebe, klagte grünling
er stand ganz alleine auf einem riesigen parkplatz
vor ihm die idee zu gehen und hinter ihm das verlassen
bleib stehen, sollte er sich zurufen, doch er rief sich nichts zu
er legte die worte in die nähe der not
die können sehr wohl etwas damit anfangen, dachte er und
lachte so krumm, dass sein herz in sich selber verschwand und
niemand mehr da war, der an seiner hand tropfte

Herr Hut

herr hut würde gerne noch eine weile gähnen
warum tut er es nicht einfach
es ist ein freies land
alle sagen das
selbst die
die im gefängnis sitzen oder
auf anderen planeten
selbst die
die ihr taschentuch riskieren in dem sie es in die luft werfen
selbst die
die in der nacht heimlich baden
nackt und ohne geschlechtsteile
selbst die
die vergessen haben wie es ist
frei zu sein
weil sie alles was sie erkennen in sich selbst spiegeln und
dann erkennen sie nichts mehr
herr hut geht über die strasse
die hat einen namen
aber er weiß nicht mehr welchen
herr hut ist über diesen verlust nicht traurig
im gegenteil
für einen moment sieht es aus
als könnte er darüber lachen

schon wieder auswärts

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ich würde auch mit der strassenbahn fahren wenn es eine gäbe
ich würde in den dunklen strassen warten
mit einer mütze in der hand die ich in die luft werfe
wenn ich an katja denke
denke ich an katja denke ich daran, dass sie immer
wenn sie keinen kaffee bestellte colabier bestellte
dass ihr haar aussah
dass sie überhaupt aussah als hätte sie irgendso ein
strassenbahnromantiker erfunden
aber es gibt keine strassenbahn und deshalb auch
keine romantiker
aber katja gibt es
sie fährt heute ins stadion
sie wird die tormänner bewundern
sie wird sie bewundern, weil sie arme haben mit denen sie sehen können
es muss wunderbar zu sehen was man berührt, denkt sie …

 

 

 

 

 

 

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elke erzählt

 
er sagt, er wäre einer von den kölner jungs
einer von denen die immer noch glauben sie würden träumen
und wenn sie erwachen freuen sie sich darauf
dass alles wieder dort ist wo es war
versteckte augen sprechen mit ihm
sitzen in cafes und wissen nichts mit solchen burschen anzufangen
da müssen schon andere kommen
nicht solche
mit denen es nur abwärts gehen kann
so zügig
kleiner kölner junge
die farbkartons in den falschen mülleimern gezählt
die langen listen vom durst der nach hause kommt und friert
von süßen locken geträumt
da komme ich doch gerade richtig
so ein einfaltspinsel
heller dunkler junge aus köln
so viel arbeiter sterben
so viel vergessen in den trockenen tüchern
gehst grußlos an allen vorbei
niemand will dir in die augen sehen
nur das internet
das blickt jeden an
das ist freundlich zu dir
du treibst dich den ganzen tag da herum
schaust dir bilder vom alten köln an
gegen mittag war die butterdose ausgetrunken
die stahlwerke von weitem
der geruch von etwas nie erreichten
als gäbe es das kind nicht mehr dass die augen schliesst
den mund öffnet
wissen will wie der traum weitergeht
welcher traum frage ich
die nacht vergessen
sanft
sanft liegen seine augen neben mir
schau mich an flüstern sie
während ich langsam gehe

sitzen

 

eine erzählt uns vom leben
sie verteilt zettel auf denen
augenblicke verständlich beschrieben werden
sie kratzt ihre tränen ins trockene
sie flüstert
ich blicke in die landschaft, aber da ist nichts
nur brauner mief

das herz ist keine zunge und trotzdem
scheint es zu klopfen
das herz ist kein spiegel
es weiß nicht wie man die zukunft belegt

jemand der vor langer zeit verschwand
schickt mich zum bierholen
zieh die jacke an, damit du nicht frierst, sagt er

im zimmer scheinen die leute auf der lauer zu liegen
jemand sagt, ohne dass er etwas sagt
es wird löchriger
er meint die augen die die reste stopfen
er meint den herablassenden blick der vergesslichen

die braunen brennen stumpfsinn in die augen
die anderen das pech
nur die nacht rutscht über das vergessliche
brennt es wieder und wieder

da gehen beine in den sumpf
da fallen die beine in das stolpern
da rutschen beine aus

da kratzen und sammeln sie
sie stossen mit statistiken einander an
ich geh bier holen, vater, sage ich
ich blicke in die landschaft
ich sammel die worte zusammen
das flüstern klingt wie eine nachdenkliche uniform

ich versenke den schlaf

der weiße mann

der weiße mann fragt ihn nach den brandklassen
der weiße mann kennt sich aus
er schaut sich in die augen
irgendwo hängt ein schild
erfolgreiche flüchtlinge, steht da drauf
der mann macht sich keine sorgen
solange er nicht flüchten muss
denkt er
ist es gut nicht erfolgreich zu sein
der weiße mann fragt
nach den brandklassen
der mann hört das atmen der züge
er weiß
das ist nicht genug
er legt die worte die er nicht gelernt hat
auf den tisch
im brunnen liegen die narben
die gesichter fallen zurück
am bahnhof greifen die erfolgreichen nach
dem glück
sie fallen übereinander her
die weißen männer atmen
sie wissen, das ist nicht genug
der mann sagt
a
b
c
d
e
das flüstern macht geräusche
er weiß, dass er besser nichts sagen sollte
als das
der mann möchte nicht erfolgreich auf ganzer linie sein
er möchte die spritze und die nadel nicht krepieren sehen
er möchte nicht wissen welches blut aus dem rahmen rutscht
es rutscht geborgtes geld aus dem gesicht des weißen mannes
das überklebt die schritte
das macht den morgen nicht reicher
er rutscht aus den worten aus
er macht eine kleine zeile und fragt sich
wie es enden wird
der weiße mann zählt die schritte
vielleicht denkt er, werden die verlierer eines tages
gewinnen
aber wird es reichen, fragt er sich
der weiße mann flüstert
sie haben alles falsch gemacht
die worte rutschen hin und her
verdammt noch mal, denkt der mann
hätte ich alles falsch gemacht
wäre ich nicht hier
er schliesst die worte aus die er nicht fangen kann
er sitzt im zug und denkt
während der tag davonfährt
es ist nichts für was man sein leben wegwirft
er fängt an zu horchen
das flüstern der erfolgreichen kommt ihn vor
wie der satz des verlorenen
wir haben es geschafft sagt einer und trägt
einen rettungsreifen unterm arm