Vergangenheit

 
ein Taschentuch verlieren
Sie hebt es auf
Gegenleistung
zwischen dem Morgen
du suchst nach ihrem Gesicht

später wirst du fragen
weich werden
du bist so böse wie du bist,
Ich frage dich
Es wäre besser, anstelle dieses Liedes nichts zu tun

Unter dir befindet sich eine Holzdecke
ein Teich, den du vom austrocknen kennst
dumme Lust auf schlechte Witze
Niemand wird dich anrufen

Taschentuch in der Hand
so kannst du dich verabschieden
Wellen
so können sie über Nacht bleiben
dieses Gestrüpp an Wörtern
es ist vergessen
schon lange

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bilder rufen

 

wechselnde szenen
spannungen
wer ist mehr
wer gibt die zahlen durch

wir lauschen
lauschen in dem tunnel von sarajevo
die lüge wird vorbereitet
wir sind das echo

wir kuscheln in den dunklen lagern
wir sind comicfiguren
von den launen großer führer abhängig
wir sind nicht echt
auch du nicht
gesichtsschöne aus dem kosevo
dich gibt es nicht
ergib dich den zahlen
ergib dich der angst
die nähe könnte verführt werden vom betrug

wir sind der betrug
wir hängen an der leine der besorgten
wir kriegen es echt mit der angst
wir wollen krieg spielen
die instrumente versorgen uns

es ist der tanz
der tanz der fiktion
unsere nadeln sind wunden
unsere wunden stechen nachts
sie entdecken den traum und öffnen ihn

Bilder aufrufen

 

die Szene ändern
Spannung
Wer ist mehr?
Wer übergibt die Zahlen

Wir hören zu
Hören auf den Sarajevo-Tunnel
Die Lüge bereitet sich vor
Wir sind ein Echo

Wir liegen in dunklen Lagern
Wir sind Zeichentrickfiguren
hängt vom Jubel der großen Führer ab

wir sind nicht echt
und du, Gesicht aus den Haaren
Sie existieren nicht
Zahlen übergeben
Ich gebe dir Angst
Die Nähe könnte durch Täuschung ergriffen werden

wir sind Schurken
wir sind auf die besorgten angewiesen
Wir haben wirklich Angst
Wir wollen Krieg spielen

Es ist ein Tanz
Tanzfiktion
Unsere Nadeln sind krank
Nachts stechen unsere Wunden
Sie entdecken einen Traum und öffnen ihn

engel

 

die strassen haben kein talent zum suchen
die großen fehlenden stellen
sie gähnen in ihr
in der nacht in der sonst niemand schreit
ist sie ganz stumm
sie trägt sich ein
in das leere buch voller namen
sie sieht was sie sieht in den tränen der überflüssigen
die gehen sobald sie können
sie stirbt den nächtlichen geburtsurkundentot
sie verschleiert sich
wird zum gedicht
ihr wehzutun ist einfach
sie zu überschütten mit lob
mit dem deckmäntelchen der angst
die nähe tropft
der wasserhahn friert
sie fällt über den eigenen stillstand
lacht über den stolz
lacht über die umarmung die sie nicht haben will
lacht und erkennt
es ist das zittern dass die friedhöfe unfruchtbar macht
es ist die lächerlichkeit der messerträger
die glauben
sie würden ihr weh tun können ohne zu leiden

frauen

 
abends nehmen sie den bus
um viertel vor neun sind sie zuhause
manche von ihnen trinken noch einen
rufen den mann an den sie lieben und
nehmen dann doch nur den
der gerade zeit dafür hat
na ja
wer kann das wissen
der herr der hier sitzt bestimmt nicht
er schaut aus dem fenster und fragt sich
was tut die frau in dem roten anzug jetzt
früher stand sie jeden morgen mit ihm
beim bäcker am bahnhof
sie tranken kaffee und hatten nicht ein wort
miteinander gesprochen

dein opa

 

dein opa der
immer lutschbonbons verteilte
war in der nsdap
er war drin weil alle drin waren
er fand nichts falsches daran

die lutschbonbons klebten
wenn man sie an der nase rieb
wenn man sie an der nase rieb
klebten sie

sie rollten in den mund
sie machten dass die gespräche vergingen
dass sie hineinbrach die nacht
in der man hoffte dass die mutter noch
kommen könnte und man fragte
hat der opa auch leute erstickt

als sie kam wunderte sich der sohnemann
dass ihm die frage richtig aus dem gesicht
sprang
als wäre sie ein lutschbonbon
eins von denen
die so klebrig waren dass man sie nicht mehr
vergessen konnte

was denkst du, fragte die mutter
was denkst du fragte sie dich
hat er
was meinst du

du schautest sie an als wolltest du sie tief
in dir vergraben
diese frage die bedeutete
dass nicht vergessen werden konnte
dass alles sinnlos brach dalag
als hätte das sterben nie aufgehört
nur die idee
man könnte sich über ein lutschbonbon freuen

du bist es nicht

 

du suchst das alte kofferradio aus
den siebzigern nach den alten
gitarrenriffen von eric clapton ab
du hörst die signale noch
manchmal (sie sind in deinem kopf steckengeblieben)

worte tragen dich zügig spazieren
die erste phase
du warst verliebt
du dachtest
das wäre für immer und es war auch für immer
nur habt ihr euch von dem immer getrennt

die alten ortsschilder suchen dich im schlaf heim
sie legen sich brav neben dich
wir sind königskinder rufen sie
sie zeichnen rostige stellen in dein gesicht
damit du ihnen glaubst

du glaubst allen
den lügern und jene die daran denken
die wahrheit zu vergraben
du siehst die alten gedächtnislücken sind wieder da
du möchtest sie umarmen
aber die drehen ab und vergessen dich
so wie du es tust
wenn du die augen wieder öffnest