der zeuge


gestern klingelte er bei mir

er hatte alles gesehen

winkte mit den zähnen

sprach von brücken

von einer unterdrückten wut

er wurde nervöser

immer nervöser

ich dachte

was der mensch braucht

ist ein schnaps

ich hatte aber keinen schnaps

drum schrieb ich das gedicht hier

las es ihm vor

er beruhigte sich etwas

dann schwieg er

oder er lauschte

am anfang war ich sicher

er lauschte was draußen geschah

doch dann war ich mir sicher

er wartete darauf dass ich gestand

ja sagte ich endlich

ich hielt es nicht mehr aus

ja ich habe ihre frau gefragt

ob sie mir einen kuss gibt

was ist schon ein kuss

sagte ich

ein kuss gegen die einsamkeit sagte

sie und schoss drei mal auf mich

ich war auf der stelle tot

verstehen sie doch sagte sie

sie saß in der küche

sie saß die ganze zeit dort

die pistole habe ich von meinem opa

er wollte mir die sprechende uhr schenken

doch er fand sie lange nicht und als er sie fand

war er so wütend

dass er auf sie schiessen wollte

da nahm ich sie ihm ab und

rannte zu ihnen

sie begreifen doch

ich wusste nicht dass der schuss noch drin war

ich dachte

schüsse verschwinden wenn man nicht an sie denkt

ich verstand sie

küsste sie und verschwand auf dem mond

den wir großen dichter werden auf dem mond begraben

dort ist es lichter und es gibt nicht so viele banale scherze

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