Elke erzählt vor dem AugsburgDingens

Zum Beispiel mein Verlobter, er war ganz verrückt danachmich nackt zu sehen, ich war ziemlich sicher dass er mich nur nackt sehenwollte, weil er mich so selten nackt sah, ich machte mich einfach rar, zumalich in einen Torwart verliebt war, der Timo hieß und der der traurigste Torwartder Welt war, nun er war ganz sicher nicht für jede der traurigste Torwart derWelt, er war selbst für mich nur selten der traurigste Torwart der Welt, dochfür manche war er es sicher und das war schon sehr traurig und man musste Timoimmer trösten, selbst wenn es überhaupt keinen Grund gab ihn zu trösten,irgendetwas fand sich doch und wenn es nur dass war, das seine Hände nichtreichten um sich nach mir auszustrecken und wenn es nur dass war, dass er nicht wusste wie er leben konnte, ohne sich zu strecken und das Schlimmste war wenn er träumte, er wäre ein Torwart in einer Volleyballmannschaft, das war ein Alptraum für ihn und er hätte sicher geweint, wenn er nicht bloß eine Erfindung gewesen wäre, eine Erfindung damit mein Verlobter sich nicht dauernd anstrengen musste,denn es war immer eine Anstrengung, wenn ich nackt war, denn wenn ich nackt war,war er meistens auch nackt und das konnte echt Punkte kosten, das könnt ihr mir glauben und bevor es zu viele Punkte kostete war es besser, wenn ich nicht so oft nackt war, das beruhigte meinen Verlobten und ließ ihn trotzdem ratlos zurück.

nimms nicht persönlich

eine vier als quadrat

aufgesteckte sonnen

bilden einen kreis

der junge simon war arbeitslos

keiner gab ihm eine chance

manchmal glaubte er

er sei das letzte

das machte bäche in seinem kreislauf

das machte seine hände zittrig

der junge simon bekam wenig geld

man könnte sich darüber beklagen

er beklagte sich nicht

er versoff es

manchmal lag er einfach so da

sah aus dem fenster

nur dass da kein fenster war

da war ein schlachthof in der nähe

von dort kamen manche schreie her

die meisten schrien das letzte mal

endlich kam simon drauf dass es mit whiskey schneller ging

er teilte die welt in besoffene und nüchterne ein

er wusste schon wer besser dran war

der träumte von einer friedlichen welt

er hätte gerne mit einer handgranate dafür gekämpft

aber weil er nicht konnte

trank er whiskey

mit whiskey ging alles schneller

er lachte über die schreie

die leeren bänke

er fegte die nacht zur seite

er brachte sich um

an irgendeinem ort

es fehlt ja nicht an solchen

die sehnsucht ist ein großer fuß

sagt sie und blickt zu den taxiständen

zu tief ist was wir nicht erkennen, sagt sie

schaut ihn an als hätte er pistolen

zwischen den zahnlücken versteckt

du gehst durch und durch sagt sie

während er stumm die bleistiftspitze ansieht

die sie vor wochen in den fluss geworfen hat

in welchen fluss fragt er

sie

mit den augen eines schmerzes

die tiefe wunde einer zu krustigen brotscheibe

die hände nah an seiner nase

an den fluss haucht sie und sie lächelt und

während sie lächelt geht etwas unter

wird verraten und obdachlos

macht nichts, denkt er

macht nichts, dann gehe ich eben wieder

auf reisen

es fehlt ja nicht an orten

die alten schiffe rosten ein in ihrem gedächtnis

ihr vater war matrose

er hörte gerne das schweigen

das schweigen das immer zu kurz kommt

auf diesem planeten

es ist lange her


dass du gestern die türe zuschlugst

gestern zu den rettungsbooten

den zwicker in der hosentasche

damit niemand sieht

dass du ohne ihn nichts von der zukunft sehen kannst

richtig

der nebel kostet dich viel

manchmal eine ganze hand

manchmal ein ganzes land

der nebel rettet dich nur deshalb

weil es dich so viel kostet

damit dein gedanke nicht

zurückbleibt

ordnest du die hände

du gleitest die wand des bootes

entlang

die spuren die man braucht um

sich zu retten

die

die mit dir sind sind nur schatten

die genauso gut

auch dir gehören könnten

du denkst

da ist der himmel und der trägt

dich schon irgendwohin

irgendwohin das ist alles

das ist eine spur von der man

nur wissen kann

dass niemand ankommen wird ect(h.

der zeuge


gestern klingelte er bei mir

er hatte alles gesehen

winkte mit den zähnen

sprach von brücken

von einer unterdrückten wut

er wurde nervöser

immer nervöser

ich dachte

was der mensch braucht

ist ein schnaps

ich hatte aber keinen schnaps

drum schrieb ich das gedicht hier

las es ihm vor

er beruhigte sich etwas

dann schwieg er

oder er lauschte

am anfang war ich sicher

er lauschte was draußen geschah

doch dann war ich mir sicher

er wartete darauf dass ich gestand

ja sagte ich endlich

ich hielt es nicht mehr aus

ja ich habe ihre frau gefragt

ob sie mir einen kuss gibt

was ist schon ein kuss

sagte ich

ein kuss gegen die einsamkeit sagte

sie und schoss drei mal auf mich

ich war auf der stelle tot

verstehen sie doch sagte sie

sie saß in der küche

sie saß die ganze zeit dort

die pistole habe ich von meinem opa

er wollte mir die sprechende uhr schenken

doch er fand sie lange nicht und als er sie fand

war er so wütend

dass er auf sie schiessen wollte

da nahm ich sie ihm ab und

rannte zu ihnen

sie begreifen doch

ich wusste nicht dass der schuss noch drin war

ich dachte

schüsse verschwinden wenn man nicht an sie denkt

ich verstand sie

küsste sie und verschwand auf dem mond

den wir großen dichter werden auf dem mond begraben

dort ist es lichter und es gibt nicht so viele banale scherze

elke erzählt


die alten geschichten waren hinter den noch älteren bergen verschwunden

während die nacht es versäumte für immer zu bleiben

tanzte ich ihn mir aus den augen

schob den vorhang zur seite

öffnete das fenster

hörte die gespräche der fische in der nahen wohnung der schmitters

die schmitters waren barfüssige

sie kauften nie schuhe und wenn sie welche aus mitleid geschenkt bekamen

hefteten sie die in einen ordner und wenn sie nichts mit sich anzufangen wussten

sahen sie sich den ordner an und bewegten sich so unanständig dass ich

es nicht mehr beschreiben werde

auch deshalb weil ich nie direkt jemand vom fenster aus ansehe

mein blick rutscht zur seite und fällt in einen anderen graben

ich lebe im takt einer buddhistischen eintagsfliege

bin ich darüber glücklich?

manchmal entferne ich mich von dieser frage

dann bin ich es

einer saß auf einer bank

vor ihm ein ententeich in dem ein paar enten

etwas suchten

auch ich suchte etwas sonst hätte ich mich nicht

auf ein treffen mit ihm eingelassen

er redete auf mich ein

sagte

er habe wettschulden und ob ich nicht ein wenig geld für ihn habe

ich fragte ihn

was er denn brauche und er lächelte und sagte

ein bißchen zärtlichkeit und wollte mit seinen fingern

meinen atem berühren

während ich dieses gespräch schon wieder satt hatte

die enten taten was enten taten wenn enten etwas

taten was nur enten tun konnten

und ich?

ich sah es mir an und fragte mich

woher nehmen sie nur diese ruhe und warum tragen

sie keine mützen, keine hüte oder wenigstens kopftücher

mit diesem gedanken trenne ich mich von diesem text

vielleicht sehen wir uns eines morgens wieder

vielleicht vor einem reisebüro

das ist immer ein wenig wie wegfahren

finde ich

man steht davor und reist im gedanken ab

doch wenn das reisebüro öffnet

sitzt man doch wieder auf einer anderen bank und wartet