ende august

 

 

irgendwer will mir sicher

erklären

wer auf der welt gut und

wer schlecht ist

der mond dient als quelle dazu

ich schau dort einfach im hauptverzeichnis nach

 

einer der es nicht erklären kann schreibt ihr

ich weiß es nicht

er würde es gerne wissen damit er es hinausbrüllen kann

mit all den anderen die es scheinbar wissen

 

nebenan schreibt einer ein gedicht

 

sitze im zug nach ulm

es ist nacht und es scheint alles verkehrtherum zu laufen

meine braut ist sechzig jahre jünger als ich und

wartet auf einer strassenbahnhaltestelle

 

sie mag es zu gähnen

sie trinkt kaffee ohne sie zu zählen

die vielen pappbecher die sie umkreisen

schimpfen mit ihr

das ist nicht umweltfreundlich

sie gähnt

 

ihre augen, was sehen ihre augen

ihre augen sehen die stunden voraus

sie hält inne

stimmt sich ab

dann geht sie zurück und nimmt noch einmal so einen pappbecher

mit kaffee

 

ich trage stets  ein sahnebonbon bei mir

das soll mich aufheitern

und mich daran erinnern

mir nicht so viel fragen zu stellen

 

diese zeiten

sind sie wirklich so

wie sie sind

 

was sperren wir ein

die gemeinsamkeiten?

 

die wirkliche vielfalt existiert nicht mehr

sie wurde erschossen aufgefunden

irgendwie werde ich das gefühl nicht los

dass die erinnerung nicht einfach eingeschlossen werden kann

sie wartet immer auf ein obdach

 

so ziehn sie also wieder los

die tschetniks, die ustascha, die neonutzis

die messerstecher, die ewiggestrigen

die enttäuscht sind von einer frau

die im sommer kurze sachen trägt

 

so viel hirnblässe

so viel vertrocknete ideen

wie spät ist es eigentlich

 

sie wirft den pappbecher weg

schaut zu den zeilen

wenn sie gähnt verschwinden sie

wie das meeresrauschen mitten im august in chemnitz

wo die vergessenen briefe halten und jemand sagt

 

aber du doch nicht

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der nationalist

 

 

 

der nationalist sitzt

er sitzt ein

er sitzt in den haag

er sitzt ein

er fordert sich selber zum wechseln der socken auf

der nationalist mag es nicht wenn er

erinnert wird an die zeit

schön war er

schön wie der tod

schön wie das vergessen des schönen

der nationalist hat die augen geschlossen

der wind füttert ihn mit gesprächen

er ist in den nächten so alleine

er möchte die augen schließen und denken

er ist es nicht

Wo ist Ulrike Meyfarth ?


 

 

da wo stäbe

vernichtet werden

sprangst du einst

über schornsteine

manchmal auch über hügel

 

trafst manchen

und hast manchen

verlassen

 

nicht immer gerne

 

dann hast du dich

auf die jagd gemacht

nach all den medaillen

die es so gibt

 

hast einen getroffen

und bist höher gesprungen

als jede andere

je springen könnte

 

und jetzt

  frage ich mich

wo bist du

ulrike meyfarth?

das los

 

 

sie schlug vor seinen koffer zu tragen

aber er ganz mann

mit stolz und wiedergeborenen mut

hauchte

aber schatz

 

manchmal wenn er in der stadt war

stellte er sich vor; ein denkmal von ihm

es sah ihm nicht ähnlich

aber das war eben das naturgetreue

denkmäler durfte sich nicht ähnlich sehen

 

genesis spielten irgendwo

irgendwann  hatten sie angefangen und

aufgehört und alles war wie im traum

man betrachtete es lange

lange

lange und machte etwas wirklichkeit daraus

 

janis joplin fror das erste mal

sie öffnete die augen und bemerkte

sie schlief nicht mehr

sie war noch immer tot

 

was mochte david bowie darüber denken

er sah das licht dass man begraben hatte und

sehnte sich nach tiefer dunkelheit

sein verlust ist ein verlust der den menschen

die ihn liebten all den schmerz wiedergaben

den sie längst verloren glaubten

 

das gehört uns nicht mehr dachte leonard cohen und dann lächelte er

weil er sicher war dass gerade das nicht mehr stimmen konnte

 

während wir uns an die zimmerdecke unter uns gewöhnen

liegen vergessene briefe auf der rutschbahn

sie lassen die zeit hinter sich

fallen nicht von uns ab

 

ilse aichinger schaut sich den immergleichen film an

dass er sich ständig verändert

liegt nicht an ihren augen

nicht an ihrem gedächtnis

es liegt daran dass sie nicht aufhören kann

ilse aichinger zu sein

 

da ist ein geräusch, mutter

hörst du das

es ist die gemeinsamkeit

die die lebenden von den toten trennt

 

 

es war schwierig das fenster zu öffnen und nicht daran zu denken

wie die welt umknickte

wie alle fassaden heil blieben und es der welt nichts machte

dass man sie zum tode verurteilt hatte

 

ihr lachen war gefährlich

es brannte in den augen

es machte uns klar

dass es auf nichts mehr ankam

 

als soldaten ihre stunden bestimmten

als das leben wie ein würfel zwischen ihr und der wirklichkeit lagen

dachte sie

nutzlos

nutzlos war es zu denken

 

über ihr lag sein schweigen

sie kamen aus einem nicht mehr existierten land

es bestimmte die richtung

so fielen sie jubelnd und trotzdem etwas traurig ins ungewisse

vor dem spiel

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wieviel monde ist es her

seit wir gewannen

erstes spiel

 

ei seht nur wie

der dichter die augen

schliesst

wie er sich fragt

was fang ich an

mit dir

 

du ball

 

du endlicher ball

so viele nehmen dich

mit

auf die reis

tragen dich

in ihren schuhen

w

i

eviele sind unterwegs

bereit

deinen schatten zu kämmen

die zahl zu nennen

den schlüssel der das tor öffnet und

den schrei hinauslässt

pokal, pokal, wir fahren zum pokal

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rike sagt

der himmel und warum

soll rike nicht

der himmel sagen

alles andere ist

doch bloß alles

andere und alles andere

ist gar nicht viel

ein paar stunden

ein paar sekunden

ein pfiff

ein verlangen nach toren

nach…rike sagt

wir sind alle und

warum sollen wir nicht alle sein

das ganze liegt im argen

es liegt im netz

es wartet und bereitet schon

alles vor

wie ein vergessenes los wartet

man sitzt an den hängen und sieht

wie alles uns an das erinnert

an den taumeltag

als ein junger serbe alleine auf ein tor

zu ist und jeder wusste was das bedeuten kann

Tišma

 

 

lange her

dass die decken knarrten

die holzwürmer summten

der tiefe frieden mit dem krieg

in stiller freundschaft nebeneinander ging

 

heilige nacht in den gräsern

die soldaten verschieben den tod und

verlangen zu sterben

sie sind durstig

sie wollen das nicht

doch sie sind es

 

in irgendeinem zimmer wartet

der durstige part dieses gedichtes

auf das jüngste gericht

die zeit, die nicht stehenbleiben will

verändert nichts

 

er geht mit dem dunklen mantel durch die strassen jugoslawiens

das land das nicht mehr existiert

existiert in den augen derer die vergessen haben

was es heißt

die dinge nur nach nationalitäten abzusuchen

 

die strassen sind leer

nur er mit dem dunklen mantel

mit dem er vergessen kann

wer er war

der rest kann das nicht