Anfang eines Romanes….Elke erzählt

Hanna warf mir das Feuerzeug auf den Kopf.

Hanna wollte meine beste Freundin sein. Wir wohnten damals in einer WG. Sie war mit Steffen zusammen. Steffen war scharf auf mich. Hanna wusste es. Hanna hatte Angst. Hanna warf mir das Feuerzeug auf den Kopf.

Sie lächelte dabei.

Es sollte lustig sein.

Hanna hatte Angst. Sie hatte Angst etwas weggenommen zu bekommen.

Sie wollte meine beste Freundin sein, sie war meine beste Freundin nicht, das wusste Hanna.

Sie warf mir das Feuerzeug auf den Kopf, weil sie wusste, dass sie niemals meine beste Freundin sein würde.

Sie hatte nicht viele Freunde. Sie hatte Steffen und sie hatte seine Eltern. Seine Eltern mochten Hanna, aber das reichte Hanna nicht. Sie wollte das Steffen nur sie mochte. Aber er sah mich an. Er sah mich auf diese Weise an.

Hanna mochte diesen Blick nicht. Sie warf mir das Feuerzeug auf den Kopf, sie warf es mir auf den Kopf, weil sie an Steffen dachte.

Sie lächelte dabei.

Es war so zerbrechlich. Als könnte man es leicht auseinandernehmen. Als könnte sie ihren Schmerz darunter verdecken. Den Schmerz der nach dem Scherz erscheint, der Scherz der kein Scherz war, denn so fest wirft man niemand etwas zu, schon gar nicht, wenn man es nicht so meint.

Sie meinte es so. Sie meinte es so, weil sie sich sehnte.

Auch ich sehnte mich, ich bekam viel zu schnell nach was ich mich sehnte, obwohl ich nie sicher war, ob es dass war, ob es das war was ich suchte, ich suchte ja nicht, ich suchte nichts und wenn ich doch mal etwas suchte, fand ich es sicher nicht in einem anderen Menschen, man konnte nichts in einem anderen Menschen finden..

Hanna warf mir das Feuerzeug auf den Kopf. Sie lachte dabei. Es sollte ein Scherz sein, sie lachte nicht, ich lachte auch nicht, keiner lachte, auch Steffen nicht, auch seine Eltern nicht. Hannas Eltern konnten nicht lachen, sie waren weit weg. Auch meine, auch meine waren weit. Das war eine Gemeinsamkeit.

Hanna sehnte sich nach Gemeinsamkeiten Sie redete oft darüber. Wenn wir zusammen in der Küche saßen und die Leere füllten in dem wir sprachen, da erzählte sie mir viel von sich, ich wollte nichts davon wissen, ich sagte mir, warum tut sie das, warum erzählt sie mir, dass sie einmal von einem Hund gebissen wurde und seitdem liebe sie Hunde. Ging es ihr mit den Menschen auch so, fragte ich mich, mich störte diese Frage, mich störte diese Frage, weil ich mich nicht mit ihr beschäftigen wollte, aber ich beschäftigte mich mit ihr und Hanna wusste es und lachte. Sie lachte nicht auf diese Weise, wie sie lächelte, als sie mir das Feuerzeug auf den Kopf warf. Sie lächelte auf eine Weise, die andere zum Heulen bringen konnte, ich wollte aber nicht heulen und deshalb fragte ich sie, was Steffen so macht. Auch darüber ärgerte ich mich, denn auch das wollte ich nicht wissen. Mich ging er nichts an und wenn er mich eines Tages doch etwas angehen sollte, würde ich schon herausbekommen, was er so macht.

Mir war es gleichgültig was Hanna von mir wollte, selbst als sie immer wieder auftauchte, egal ob ich mit jemanden zusammenwohnte oder alleine, war es mir egal. Sie erzählte mir ihr Leben und es interessierte mich nicht. Sie musste doch merken dass es mich nicht interessierte oder es interessierte sie nicht, ob es mich nicht interessierte, es war ihr wahrscheinlich ganz gleichgültig, es war ihr nur wichtig, dass sie jemand hatte, von dem sie behaupten konnte, das ist meine beste Freundin, das war gelogen, sie war meine beste Freundin nicht, sie war nicht mal meine schlechteste Freundin, sie war höchstens eine Bekannte. Eine Bekannte die mir einmal ein Feuerzeug auf den Kopf warf und behauptete, das war nur Spaß.

 

 

 

 

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