der nächste

wenn dich packt der ehrgeiz und

du willst schreiben

ein gedicht über den reisenden

dessen namen du aus seinem

gesicht schnittest

da blieb nichts zurück

nicht einmal seine zunge klagte darüber

nun war er namenlos und du schriebst weiter

weiter in dem gedicht herum

andere die es lesen sagen sich

es ist einerlei was er schreibt, er ist verrückt

aber du warfst auch diese stellen nicht fort

sie gehörten zu dir wie die vergangenheit die

du in der zukunft suchtest

das gedicht über den reisenden

er öffnete die augen und wieder trieb es ihn fort

er musste reisen

er ahnte; ich bin in einem gedicht und ich habe keinen namen

sorgen bereitete ihm das nicht

höchstens eine röte die keinen grund brauchte

eine röte die sich in seinem gesicht versteckt hätte

eine wirkliche blasse röte die kaum zu sehen war

er lenkte ein

dachte an die zeit zurück als er noch nackt vor den mustertapeten stand

sie spielten bingo

sie lernten nähe kennen

wie verwundete so sprachen sie miteinander

wer bist du fragte sie ihn

ich bin strassenarbeiter log er

er wusste nicht warum er log

niemand weiß warum er lügt

das lügen ist ein tier

es fängt unsere gedanken ein und trägt sie davon

wie müde mich dieses gedicht macht

ich werfe es euch in den tag

esst es und wenn ihr es nicht essen wollt

dann trinkt es

trinkt es ganz leer und wenn es leer ist

esst es auf

esst es auf ohne es zu essen

versteckt es in eurem gesicht und

vergrabt es in eure augen

dunkel ist es da

dunkel wie es immer ist

wenn ein gedicht gegessen wurde

 

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der wachmann auf schalke

DSCN0882

 

 

 

da sitzt er der flachmann

auf schalke und wartet

wartet auf bus

im bus sitzt er schon

trotzdem wartet er

er bläst leere versprechen

an die geliebte nach draußen

er ist vernarrt in eine nachrichtensprecherin

die hat ihm gute nacht gewünscht und

ihn angesehen

er zieht sein blaues trikot an

die augen noch schläfrig

gestern am fkk strand sah er sie

sie trank dortmunderpils und

trug einen schal worauf

eintracht frankfurt stand

da fehlt was

zwei faschisten

betreten eine

wohnung

sie spucken auf

die festzunehmenden

sie nehmen keine

rücksicht auf träume

für faschisten existieren

träume nicht

so wie auch die

festzunehmenden nicht existieren

deshalb bespucken sie und nennen sie pack

morgens gehen wir raus

die nacht war kurz

wir waren zu lang geblieben

die orte sind sanfte stellen gewohnt

kein auge das platzt

keine wunde die schreit

wir sehen den morgen nicht wie ein vergessen an

wir sagen nicht

wir lösen uns von ihnen

wir sagen

uns fehlt etwas

das lachen der erstickten

der traum der ermordeten

für franziska zu reventlow

 

 

 

die wilden sind im februar

eingefroren

es war nicht kühl

die landschaften waren sauber

es fehlte der zauber

aber der fehlte schon so lange

vermissen wir wenigstens das was

wir vergebens in der nacht mit worten aufzuschreiben versuchen

keine handlung

nur die nacht die wartet

dunkel ist es geworden

eingelullt das schlafen

die landschaften noch immer unfehlbar

die fehlen rufen dir zu

wenn du augen hättest

würdest du immer nur die öffnen

die vergessen können

Hier gegenüber von frau mayröckers gedicht

 

 

 

wartet ein schirm

ein schirm und eine schachtel

fremdes wort für eigenschaften

suchen finden verlieren

etwas kam abhanden

wir suchen es

es ist abhanden

wir suchen es darin

wir sehen

lesen in dem gedicht von frau mayröcker

tänze und vergessene briefe

briefe die die schrift ändern

desto näher du sie ansiehst

buchstabe für buchstabe verändert sich

zeitlos die betrachtung eines gedichtes

der takt der angst ruiniert die bewährungsstrafen der

totgeprügelten

geflohen

 

 

ich habe bei meiner geburt

meinen atem gesehen

er sah aus dem fenster und

fragte mich

weißt du was gestern war

 

liebende vergraben was fallen kann

die nacht die unter ihnen stirbt

dunkle gemälde im stillen

 

du siehst mit den ohren

du sinkst mit den lippen

du hörst mit deinem schweigen

 

vor meiner geburt fing die welt

nicht an

sie starb in den worten

sehnsucht und vergessenheit

 

erst als ich auf die welt kam

ertrug man die nacht

ertrug man das wesentliche

nämlich mich 🙂

Goethehaus

 

 

 

es knirschten die schritte

die treppen riefen: weitergehen bitte

die tapeten breit und langatmig

vögel zwitscherten darauf und heimlich

vergaßen sie was vergessen heisst und zwitschern noch immer

die stühle wie gebogene sätze

ganz dunkel vor verlegenheit

ein spinett dass einem auf der zunge klebt

die bibliothek des alten

die bücher vergessen von den lesenden aber nicht von den worten

die küche bereitet den zuschauern keine freude mehr

nur erinnern tut sie sich noch an manches

an jenen tag zum beispiel als der kleine goethe geboren wurde

was war dass für ein geschrei

er stirbt riefen …die einen

das darf er nicht..die anderen

in der küche summte eine fliege

es summte das alte lied der erinnerung

wie seltsam still es dort ist wo einst eine fliege summte